Computer und Software lassen sich heute entwickeln und bedienen, ohne ihre Funktionsweise im Detail zu kennen. Doch wenn Systeme langsam, unzuverlässig oder schwer zu ändern werden, kann dieses Wissen entscheidend sein.
Die Informatik beschäftigt sich mit der systematischen Verarbeitung von Informationen. Sie untersucht unter anderem, was Computer berechnen können, wie sie funktionieren und wie sich Software zuverlässig und effizient entwickeln lässt.
Dabei werden häufig vier Teilgebiete unterschieden:
Die theoretische Informatik beschäftigt sich mit der Frage, was überhaupt berechnet werden kann und welcher Aufwand dafür erforderlich ist. Manche Probleme sind grundsätzlich nicht algorithmisch lösbar. Andere lassen sich theoretisch lösen, benötigen aber so viel Rechenzeit oder Speicher, dass dies praktisch nicht möglich ist.
Die technische Informatik beschäftigt sich mit dem Aufbau und der Funktionsweise von Computern. Dazu gehören Prozessoren, Speicher, Rechnerarchitekturen und die Kommunikation zwischen Computersystemen.
Die praktische Informatik beschäftigt sich mit Verfahren und Werkzeugen zur Softwareentwicklung. Dazu gehören Programmiersprachen, Algorithmen, Datenstrukturen, Betriebssysteme und Datenbanken.
Die angewandte Informatik überträgt informatische Methoden auf konkrete Anwendungsbereiche. Beispiele sind die Bioinformatik, die Medieninformatik und die Wirtschaftsinformatik.
Solange Software schnell genug arbeitet und zuverlässig funktioniert, fallen fehlende Informatikkenntnisse nicht unbedingt auf.
Treten jedoch Probleme auf, kann die Suche nach ihren Ursachen schwierig werden. Ohne ein grundlegendes Verständnis der Informatik fehlen möglicherweise entscheidende Ansatzpunkte.
Auch KI kann bei der Fehlersuche helfen. Ihre Vorschläge müssen allerdings fachlich beurteilt werden können, um ungeeignete oder fehlerhafte Lösungen zu erkennen.
Ähnliches gilt für die Auswahl neuer Technologien. Viele Technologien wurden für bestimmte Aufgaben entwickelt und beruhen auf bewussten Kompromissen. Wer diese nicht versteht, riskiert, eine vermeintlich moderne Lösung einzusetzen, die später mehr Probleme verursacht, als sie beseitigt.
Ein Beispiel ist die Geschwindigkeit von Speicherzugriffen. Prozessoren können Berechnungen extrem schnell durchführen. Müssen sie jedoch auf Daten aus langsameren Speichern warten, kann sich die Ausführung erheblich verzögern.
Noch deutlicher wird das bei Datenbankzugriffen über Netzwerke. Werden große Datenmengen unnötig häufig übertragen, kann selbst leistungsfähige Hardware an ihre Grenzen stoßen. Zwischenspeicher, sogenannte Caches, können helfen, bringen aber eigene Herausforderungen mit sich, beispielsweise beim Aktualisieren gespeicherter Daten.
Ein weiteres Beispiel ist die Nebenläufigkeit. Wenn mehrere Teile eines Programms gleichzeitig arbeiten, können schwer nachvollziehbare Fehler entstehen.
Bei einer Race Condition hängt das Ergebnis von der zeitlichen Reihenfolge bestimmter Abläufe ab. Bei einem Deadlock blockieren sich mehrere Abläufe gegenseitig. Solche Fehler treten unter Umständen nur selten auf und können deshalb besonders schwierig zu finden sein.
Auch Algorithmen und Datenstrukturen spielen eine große Rolle. Zwei Programme können dieselbe Aufgabe erfüllen, aber völlig unterschiedlich viel Rechenzeit oder Speicher benötigen. Was bei hundert Datensätzen funktioniert, kann bei mehreren Millionen Datensätzen zum Problem werden.
Es gibt zahlreiche weitere Beispiele dafür, wie grundlegende Informatikkenntnisse bei der Entwicklung und Wartung von Software helfen.
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sich Informatikkenntnisse anzueignen und vorhandenes Wissen zu vertiefen.
Ein umfassender Zugang ist ein Informatikstudium an einer Universität oder Hochschule für angewandte Wissenschaften. Allerdings erfordert ein Studium mehrere Jahre und ist deshalb für berufstätige Softwareentwickler nicht immer eine praktikable Möglichkeit.
Das Selbststudium bietet eine flexible Alternative. Fachbücher von Autoren wie Dirk W. Hoffmann, Andrew Tanenbaum, William Stallings oder Douglas Comer vermitteln grundlegende Zusammenhänge. Auch Lernplattformen wie Coursera, Udemy und O'Reilly bieten zahlreiche Kurse an. Allerdings erfordert das Selbststudium Zeit, Disziplin und die Fähigkeit, Wissenslücken selbst zu erkennen.
Gezielte Schulungen können helfen, solche Wissenslücken schneller und systematischer zu schließen. Dabei können beispielsweise Algorithmen und Datenstrukturen, Prozessoren und Speicher, Nebenläufigkeit, Netzwerke, Datenbanken oder die Grenzen der Berechenbarkeit behandelt werden.
Besonders wertvoll sind praxisorientierte Schulungen, die theoretische Grundlagen mit konkreten Herausforderungen aus der Softwareentwicklung verbinden. Die Teilnehmer können Fragen stellen, das Gelernte unmittelbar anwenden und Zusammenhänge besser verstehen.
Ich biete solche Schulungen an, deren Inhalte auf die Vorkenntnisse der Mitarbeiter und die technischen Herausforderungen ihres Unternehmens abgestimmt werden können.
Das Ziel ist nicht nur, neue Technologien bedienen zu können, sondern auch zu verstehen, wie sie funktionieren, wo ihre Grenzen liegen und wie sie sinnvoll eingesetzt werden.
Fundierte Informatikkenntnisse helfen dabei, technische Probleme nicht nur oberflächlich zu beheben, sondern ihre Ursachen zu verstehen.
Dadurch lassen sich:
Informatikkenntnisse garantieren keine fehlerfreie Software. Sie schaffen aber eine wichtige Grundlage dafür, technische Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen und Probleme nachhaltig zu lösen.
Das kann Entwicklungszeit sparen, Betriebskosten reduzieren und verhindern, dass kurzfristige Lösungen langfristig teuer werden.
Anforderungen, Softwarearchitektur, Testen und künstliche Intelligenz haben eines gemeinsam: Sie profitieren von grundlegenden Informatikkenntnissen.
Bei den Anforderungen helfen Informatikkenntnisse dabei, zu beurteilen, ob und mit welchem Aufwand sich bestimmte Anforderungen überhaupt umsetzen lassen. Beispielsweise können Anforderungen an die Geschwindigkeit eines Systems an die Grenzen dessen stoßen, was sich mit verfügbaren Algorithmen und Technologien erreichen lässt.
Bei der Softwarearchitektur helfen Informatikkenntnisse, technische Entscheidungen fundiert zu treffen. Wer beispielsweise versteht, wie Prozessoren, Speicher, Datenbanken und Netzwerke funktionieren, kann Abhängigkeiten, Leistungsengpässe und technische Kompromisse besser beurteilen.
Beim Testen helfen Informatikkenntnisse, systematisch Testfälle auszuwählen und auch Fehler aufzuspüren, die bei einfachen Tests leicht übersehen werden. Kenntnisse über Algorithmen, Datenstrukturen und Nebenläufigkeit ermöglichen es beispielsweise, besonders kritische Fälle gezielt zu untersuchen.
Bei der künstlichen Intelligenz helfen Informatikkenntnisse, ihre Funktionsweise, Möglichkeiten und Grenzen besser zu verstehen. Das ist besonders wichtig, wenn KI-generierter Code beurteilt oder KI in bestehende Systeme integriert werden soll. Nicht jeder Vorschlag einer KI ist technisch sinnvoll, effizient oder sicher.
Diese vier Bereiche sind eng miteinander verbunden. Eine Anforderung kann beispielsweise eine Architekturentscheidung notwendig machen, die wiederum bestimmte Risiken mit sich bringt, die durch Tests überprüft werden müssen. KI kann bei allen diesen Aufgaben unterstützen.
Fundierte Informatikkenntnisse helfen deshalb, nicht nur einzelne Technologien zu beherrschen, sondern die Zusammenhänge zwischen Anforderungen, Architektur, Tests und KI zu verstehen und bessere technische Entscheidungen zu treffen.
Mehr darüber erfahren Sie in meinen Artikeln: